Trennungsunterhalt: Wie viel steht mir nach der Trennung zu?

Wenn Ehegatten sich trennen, kann einer der Beteiligten häufig einen Anspruch auf Trennungsunterhalt haben, wenn er über kein eigenes oder ein geringeres Einkommen als sein Ex-Partner verfügt. Vorausgesetzt ist dabei auch, dass beide Eheleute getrennt leben, auf Seiten des Unterhaltsberechtigten eine Bedürftigkeit besteht und der Unterhaltspflichtige leistungsfähig ist. Doch wie lange müssen Betroffene ggf. Trennungsunterhalt zahlen? Und wie hoch ist dieser eigentlich?

Zusammengefasst: Das Wichtigste zum Trennungsunterhalt

Wie kann ich Trennungsunterhalt beantragen?

Sie müssen Trennungsunterhalt nicht gleich einklagen, sondern können diesen grundsätzlich zunächst auch außergerichtlich gegenüber Ihrem getrennt lebenden Ehegatten einfordern.

Kann ich Trennungsunterhalt rückwirkend beantragen?

Nur bedingt. Ausschlaggebend ist der Zeitpunkt, zu dem Sie den Unterhaltsanspruch gegenüber Ihrem Ehegatten geltend gemacht haben. Erfahren Sie hier mehr dazu.

Für welche Dauer muss ich Trennungsunterhalt zahlen?

Ein Anspruch auf Trennungsunterhalt kann grundsätzlich bis zur Rechtskraft der Scheidung fortbestehen. Wann dieser vorzeitig enden kann, erfahren Sie hier.

Wie kann ich den Trennungsunterhalt berechnen?

Bei der Berechnung von Trennungsunterhalt kommt in der Regel die sogenannte Differenzmethode zum Einsatz. Umfassende Infos zur Berechnung von Unterhalt inklusive Beispielen finden Sie hier.

Wie hoch ist der Selbstbehalt beim Trennungsunterhalt?

Der aktuelle Selbstbehalt (Stand: 2020) liegt bei 1.280 Euro für Erwerbstätige und 1.180 Euro für erwerbslose Unterhaltspflichtige.

Unterhaltsrechner: Trennungsunterhalt berechnen

Achtung! Zwar entfällt ein Anspruch auf Trennungsunterhalt spätestens nach der Scheidung, Unterhalt muss ggf. aber weiterhin gezahlt werden. Ob ein Anspruch auf nachehelichen Ehegattenunterhalt besteht, richtet sich nach dem Einzelfall.

Trennungsunterhalt: Infos zur Dauer des Anspruchs

Trennungsunterhalt und Kindesunterhalt, diese beiden Ansprüche bestehen bei Trennung vom Ehegatten regelmäßig.
Trennungsunterhalt und Kindesunterhalt, diese beiden Ansprüche bestehen bei Trennung vom Ehegatten regelmäßig.

Grundsätzlich kann ein Anspruch auf Trennungsunterhalt bis zur Rechtskraft der Scheidung bestehen bleiben. Das bedeutet, dass Trennungsunterhalt nicht automatisch nach Ablauf des ersten Trennungsjahres entfällt. Leben die Eheleute bereits länger als ein Jahr getrennt, kann auch darüber hinaus die Unterhaltspflicht bestehen bleiben. 

Es gibt jedoch Fälle, in denen der Anspruch auf Trennungsunterhalt unter Umständen bereits vor der Scheidung enden kann (aber nicht in jedem Fall muss!):

  • Bedürftigkeit: Verdient der Berechtigte mittlerweile selbst genug, um den eigenen Bedarf zu decken, kann ein Anspruch auf Trennungsunterhalt entfallen. Hier fällt dann die Voraussetzung der Bedürftigkeit weg.
  • Erwerbsobliegenheit: Der Unterhaltsberechtigte könnte einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, mit der er den eigenen Unterhaltsbedarf decken könnte. Besteht eine Erwerbsobliegenheit, kann die Missachtung weiterführende Zahlungen von Trennungsunterhalt für den Pflichtigen unzumutbar machen. Die Verpflichtung, sich um eine angemessene Anstellung zumindest ernsthaft zu bemühen, besteht in der Regel jedoch nicht während des ersten Trennungsjahres oder wenn der Unterhaltsberechtigte
    1. ein unter drei Jahre altes, gemeinsames Kind betreut.
    2. noch mitten in der Ausbildung steckt.
  • Beziehung: Der Unterhaltsberechtigte wohnt mit einem neuen Partner zusammen, mit dem er eine verfestigte, eheähnliche Beziehung führt (bereits nach einem Jahr denkbar).
  • Verwirkung: Der Unterhaltsberechtigte kann einen Anspruch auf Trennungsunterhalt auch verwirken, wenn er z. B. eine schwere Straftat gegenüber dem Unterhaltspflichtige beging.

Ist auch die Ehedauer ein Kritierium für Trennungsunterhalt? Eine kurze Ehe reicht als Grund regelmäßig nicht aus, um die Zahlung von Trennungsunterhalt zu verweigern. Auch schon nach einer sechswöchigen Ehe kann ein entsprechender Anspruch bestehen.

Die Höhe von Trennungsunterhalt berechnen: So geht’s!

Grundlage für die Berechnung von Trennungsunterhalt: Bereinigtes Nettoeinkommen

Als Ausgangspunkt für die Unterhaltsberechnung dient das sogenannte bereinigte Nettoeinkommen. Dabei handelt es sich regelmäßig nicht um das Netto, das Ihnen nach Abzug von Krankenversicherungsbeiträgen & Co. vom Bruttoarbeitslohn bleibt. Stattdessen können hiervon weitere Positionen abgezogen werden. Wie aber können Sie das bereinigte Nettoeinkommen ermitteln?

Wie können Sie den Trennungsunterhalt berechnen?
Wie können Sie den Trennungsunterhalt berechnen?

Relevant ist das Einkommen, das Sie in dem Jahr vor der Trennung erzielt haben (bei Selbstständigen Einkommen der letzten drei Jahre). Hierzu zählen z. B. Einkünfte aus Anstellung oder selbstständiger Tätigkeit sowie eventuell erhaltene Sonderzahlungen (unter Berücksichtigung möglicher Änderungen durch die Steuerklasse nach dem Jahr der Trennung). Aus dem Jahreseinkommen wird das monatliche Durchschnittseinkommen ermittelt.

Von dem monatlichen Nettoeinkommen können Sie dann wiederum je nach Einzelfall folgende Beträge abziehen, um das bereinigte Nettoeinkommen zu erhalten:

  • berufsbedingte Aufwendungen (i. d. R. pauschal 5 %, maximal 150 Euro)
  • berufsbedingte Fahrtkosten (30 Cent je Kilometer)
  • Kosten für die Altersvorsorge (bis 4 % vom Jahresbrutto)
  • Kosten für die Krankenversicherung
  • Unterhalt für vorrangig Unterhaltsberechtigte (z. B. für Kinder)
  • Wohnvorteil des Unterhaltsberechtigten
  • u. a.

Wie hoch ist Ihr bereinigtes Nettoeinkommen? Da es keine pauschale Lösung für die Bereinigung des Einkommens gibt, sollten Sie sich an einen Anwalt für Familienrecht wenden. Dieser kann beurteilen, welche Abzüge in Ihrem jeweiligen Einzelfall mitunter zulässig sind.

Reguläre Berechnung von Trennungsunterhalt mittels Differenzmethode

Beim nachehelichen Unterhalt sowie Trennungsunterhalt ist die Höhe der Ansprüche abhängig vom Einkommensverhältnis der (Ex-)Eheleute. Zur Anwendung kommt bei der Berechnung in aller Regel die sogenannte Differenzmethode. Dabei ergibt sich der Anspruch auf Trennungsunterhalt aus der Differenz zwischen den Erwerbseinkommen der beiden Eheleute.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung, wie Sie beim Trennungsunterhalt die Höhe ermitteln können:

Peter ist erwerbstätig und hat ein monatliches, bereinigtes Nettoeinkommen von 3.000 Euro. Seine getrennt lebende Ehefrau Petra verfügt aus einer Teilzeitanstellung über monatliche Nettoeinkünfte von 900 Euro. Die Differenz zwischen dem Einkommen von Peter und Petra beträgt mithin 2.100 Euro. Petra kann nun 3/7 von diesem Differenzbetrag als monatlichen Trennungsunterhalt gegenüber Peter einfordern, das sind 900 Euro (2.100 Euro : 7 x 3).

Auch die folgende Grafik veranschaulicht die Berechnung von Unterhalt mittels Differenzmethode:

Grafik: Differenzmethode beim Unterhalt
Grafik: Differenzmethode beim Unterhalt

Sättigungsgrenze beim Trennungsunterhalt: Hat der Unterhaltspflichtige ein sehr gutes Nettoeinkommen (z. B. 8.000 Euro), kommt die 3/7-Methode bei der Berechnung von Trennungsunterhalt in der Regel nicht mehr zur Anwendung. Hier hat es sich in der Praxis durchgesetzt, Unterhalt nach dem im Einzelfall nachgewiesenen Bedarf zu zahlen (vgl. u. a. OLG Bremen, Beschluss vom 06.02.2015, Aktenzeichen 4 UF 38/14).

Trennungsunterhalt bei Rentnern berechnen

Scheidung von Rentnern: Trennungsunterhalt liegt zumeist bei 50 % der Differenz.
Scheidung von Rentnern: Trennungsunterhalt liegt zumeist bei 50 % der Differenz.

Ist der Unterhaltspflichtige nicht mehr erwerbstätig, sondern beispielsweise bereits Rentner, verhindert das nicht automatisch, dass er Trennungsunterhalt zahlen muss. Ausschlaggebend ist die Höhe der Rente. Liegt diese über dem Selbstbehalt von 1.180 Euro, ist er als leistungsfähig einzustufen. Hat der getrennt lebende Ehegatte ein geringeres Einkommen und somit einen Unterhaltsbedarf, kann Trennungsunterhalt auch gegenüber Rentnern anfallen.

Anders als bei erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen liegt der Anspruch auf Trennungsunterhalt in aller Regel dann jedoch nicht mehr bei 3/7 der Einkommensdifferenz, sondern bei 50 Prozent.

Angenommen also Peter ist bereits Rentner und damit nicht mehr erwerbstätig. Seine monatlichen Nettoeinkünfte (aus der Rente) liegen bei 2.000 Euro. Petra, selbst noch erwerbstätig verfügt über ein Nettoeinkommen von 900 Euro. Die Differenz beträgt mithin 1.100 Euro. Petra kann nun 50 Prozent hiervon, also 550 Euro als monatlichen Trennungsunterhalt von Peter einfordern.

Achtung! Für andere unterhaltsrelevante Einkünfte, die neben dem Erwerbseinkommen bestehen (z. B. aus Mieteinnahmen), gilt gemeinhin stets der Halbteilungsgrundsatz.

Wie hoch ist der monatliche Selbstbehalt bei Trennungsunterhalt? (Stand: 2020)

Damit auch der Unterhaltspflichtige seinen notwendigen Bedarf decken kann, steht ihm stets ein Selbstbehalt zu. In aller Regel ist nur Einkommen, das über den Selbstbehalt hinausgeht, unterhaltsrelevant. Wie hoch beim Trennungsunterhalt der Selbstbehalt ausfällt, richtet sich vor allem nach der beruflichen Situation des Unterhaltspflichtigen:

  1. bei Erwerbstätigkeit: 1.280 Euro Selbstbehalt
  2. bei Erwerbslosigkeit (auch Rentner): 1.180 Euro Selbstbehalt

Personen, die über ein monatliches Nettoeinkommen verfügen, das über dem Selbstbehalt liegt, gelten als leistungsfähig.

Wie erhalten Sie Trennungsunterhalt?

Mann verweigert Trennungsunterhalt? Für die Ehefrau bleibt mitunter nur der Klageweg.
Mann verweigert Trennungsunterhalt? Für die Ehefrau bleibt mitunter nur der Klageweg.

Besteht ein Anspruch auf Trennungsunterhalt, erhält der Berechtigte diesen nicht automatisch. Er muss ihn stattdessen gegenüber dem unterhaltspflichtigen Ehegatten – am besten schriftlich – einfordern. Ist Ihnen die genaue Höhe vom Trennungsunterhalt noch nicht bekannt, können Sie Ihren Ehepartner zunächst schriftlich auffordern, Auskunft über sein Einkommen zu erteilen

Die Aufforderung zur Zahlung bzw. Auskunftserteilung ist von besonderer Bedeutung, denn: Sie können Trennungsunterhalt nur bedingt rückwirkend beantragen. Das Bürgerliche Gesetzbuch gewährt rückwirkende Ansprüche nur für maximal den Monat, der vor dem Zeitpunkt der Forderung lag

Hinweis: In einem Ehevertrag lässt sich Trennungsunterhalt nicht wirksam ausschließen. Ein Ehevertrag mit entsprechenden Klauseln kann sittenwidrig und damit in Teilen oder gänzlich unwirksam sein. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber “Im Ehevertrag den Unterhalt ausschließen: Viele Regelungen unzulässig!“.

Besteht ein Anspruch auf Trennungsunterhalt, wenn Sie nicht verheiratet waren?

Einen Anspruch auf Trennungsunterhalt können stets nur verheiratete Personen gegenüber dem Ex geltend machen. Er kann zudem maximal nur so lange bestehen, bis die Scheidung rechtskräftig ist. Das bedeutet für Personen, die sich von ihrem nicht angetrauten Partner trennen: Einen Trennungsunterhalt können Sie gegenüber dem Ex nicht einfordern.

Aber: Ein Unterhaltsanspruch kann in seltenen Ausnahmefällen auch zwischen nicht verheirateten Ex-Partnern bestehen. Kümmert sich einer von beiden um ein unter drei Jahre altes, gemeinsames Kind, kann er gegenüber dem anderen Elternteil ggf. Betreuungsunterhalt geltend machen.

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Trennungsunterhalt: Wie viel steht mir nach der Trennung zu?
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