Gesetzlicher Güterstand der Zugewinngemeinschaft: Auswirkungen auf das eheliche Vermögen

Von Ehevertrag.org, letzte Aktualisierung am: 18. September 2020

Wenn zwei Menschen heiraten, treten Sie automatisch in den gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft ein. Allerdings nur, sofern Sie in einem Ehevertrag nichts abweichendes bestimmt haben. Anders als die Zugewinngemeinschaft können die Wahlgüterstände Gütertrennung und Gütergemeinschaft nur durch Ehevertrag vereinbart werden.

Zusammengefasst: Was ist eine Zugewinngemeinschaft?

Was bedeutet Zugewinngemeinschaft in der Ehe?

Bei der Zugewinngemeinschaft handelt es sich um einen ehelichen Güterstand. Er beschreibt, in welchem Verhältnis sich die Vermögen der Eheleute befinden. Die Zugewinngemeinschaft stellt dabei eine Ausformung der Gütertrennung dar. Das bedeutet, das Vermögen eines Ehegatten geht nicht automatisch in das gemeinsame Vermögen der Eheleute über. Anders als bei der richtigen Gütertrennung können bei der Zugewinngemeinschaft aber bei Scheidung Ansprüche auf Vermögensausgleich (Zugewinnausgleich) bestehen.

Wann endet die Zugewinngemeinschaft?

Meist endet eine bestehende Zugewinngemeinschaft mit Rechtshängigkeit der Scheidung. Aber auch während der Ehe kann die Zugewinngemeinschaft enden, etwa durch Vereinbarung von Gütertrennung oder Gütergemeinschaft in einem Ehevertrag oder aber durch den Tod eines der Ehegatten.

Was zählt zum Zugewinn?

Beim Zugewinnausgleich können die Vermögenszuwächse ausgeglichen werden, die die Ehegatten jeweils erwirtschaftet haben. Was im Einzelfall als Zugewinn gewertet werden kann und mehr zum Anfangs- und Endvermögen lesen Sie hier.

Zur Unterscheidung: Gütergemeinschaft – Zugewinngemeinschaft – Gütertrennung

Die Zugewinngemeinschaft ist nach BGB der gesetzliche Güterstand in der Ehe.
Die Zugewinngemeinschaft ist nach BGB der gesetzliche Güterstand in der Ehe.

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) unterscheidet insgesamt drei eheliche Güterstände: den gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft sowie die beiden Wahlgüterstände Gütertrennung und Gütergemeinschaft. Bei der Gütergemeinschaft fallen die Vermögen der Ehegatten im Gesamtgut zusammen, werden also gewissermaßen gemeinsames Vermögen (ausgenommen ggf. Sondergut oder Vorbehaltsgut). Bei der Gütertrennung hingegen bleibt jeder Ehegatte Herr über sein eigenes Vermögen.

Ähnlich der Gütertrennung bleiben bei Zugewinngemeinschaft die Vermögen beider Eheleute getrennt. Der eine kann also nicht einfach über das Vermögen des anderen verfügen. Auch Schulden des einen werden nicht plötzlich zu gemeinsamen Schulden.

Was gilt bei Krediten? Auch bei einem Kredit ist nur der Kreditnehmer in Haftung zu nehmen. Hat nur einer der Ehegatten den Kreditvertrag unterzeichnet, so ist er mithin auch in der Zugewinngemeinschaft Alleinschuldner gegenüber dem Kreditgeber. Haben hingegen beide Ehegatten den Vertrag unterzeichnet, sind beide Gesamtschuldner, das heißt: Jeder Ehegatte haftet in voller Höhe für den Kreditbetrag.

Zugewinngemeinschaft: Mein Haus ist dein Haus?

Das Vermögen eines Ehegatten bleibt dessen Vermögen und wird in der Zugewinngemeinschaft nicht automatisch gemeinschaftliches Eigentum der Eheleute. Das gilt auch für Immobilien, die sich im Eigentum eines Ehegatten befinden. Ob er diese nun bereits in die Ehe mit einbrachte oder während der gemeinsamen Ehezeit erworben hat, bleibt zunächst unerheblich. Solange nicht auch der andere Ehegatte im Grundbuch eingetragen und so Miteigentümer wird, hat er keinerlei Eigentumsrechte hieran.

Zugewinngemeinschaft: Per Definition geht auch ein Haus nicht automatisch in das gemeinsame EIgentum über.
Zugewinngemeinschaft: Per Definition geht auch ein Haus nicht automatisch in das gemeinsame EIgentum über.

Und auch bei der Auflösung der Zugewinngemeinschaft durch Scheidung bleibt das Haus Alleineigentum. Bestehen laut Grundbuch keine Miteigentumsrechte, kann der andere Ehegatte hierauf keinen Anspruch erheben. Zumindest nicht direkt. Denn: Auch Immobilieneigentum findet im Zugewinnausgleich Betrachtung. Hier ist allerdings zu unterscheiden zwischen in die Ehe eingebrachte und während der Ehezeit erworbenen Eigentumsimmobilien:

  1. Haus befand sich schon vor der Ehe im Eigentum eines Ehegatten: Dann fällt das Haus in das Anfangsvermögen des Eigentümers. Lediglich der Wertzuwachs, den es während der Ehezeit gab, kann in den Zugewinn des Eigentümers einberechnet werden.
  2. Das Haus wurde während der Ehe von einem Ehegatten erworben: In diesem Falle zählt es vollständig zum ehelichen Zugewinn des Eigentümers.

Zusammengefasst bedeutet die Zugewinngemeinschaft für die Eheleute

  • Jeder bleibt Alleineigentümer seines Vermögens.
  • Ein Ehegatte darf über sein Vermögen frei verfügen, jedoch nicht über sein komplettes Gesamtvermögen (ohne Rücksprache oder Einwilligung des anderen).
  • In einer Zugewinngemeinschaft bleiben die Schulden eines Ehegatten dessen Alleinschulden. Der andere Ehegatte kann für diese in aller Regel nicht in Haftung genommen werden.
  • Bringt einer der Ehegatten in die Zugewinngemeinschaft ein Haus, so bleibt dies in seinem Eigentum. Die Eigentumsverhältnisse können nur aktiv durch Eintragung des anderen Ehegatten in das Grundbuch verändert werden.

Wie wirkt sich die Zugewinngemeinschaft bei Scheidung aus?

Die Zugewinngemeinschaft während der Ehe wirkt sich also noch nicht auf die Vermögensverhältnisse der Eheleute aus. Ein wesentlicher Unterschied zur Gütertrennung kommt jedoch bei der Auflösung der Zugewinngemeinschaft zum Tragen: der Anspruch auf Zugewinnausgleich. Was steckt dahinter?

Welche Folgen hat bei Scheidung eine bestehende Zugewinngemeinschaft?
Welche Folgen hat bei Scheidung eine bestehende Zugewinngemeinschaft?

Während der Ehe kann jeder Ehegatte einen Zugewinn, also einen Zuwachs an Vermögen erzielen. Der Kerngedanke der Zugewinngemeinschaft ist dabei, dass beide Eheleute an diesem Zugewinn beteiligt sind, ob nun direkt oder indirekt. Geht zum Beispiel einer der Ehegatten arbeiten und macht Karriere, während der andere sich um Haushalt und Kindererziehung kümmert, so hat auch letzterer am Vermögenszuwachs von ersterem mitgewirkt. Nämlich, indem er ihm durch die Abnahme anderer familiärer Pflichten die berufliche Karriere ermöglichte.

Solange die Ehe läuft, ist davon auszugehen, dass beide Eheleute von dem Vermögenszuwachs profitieren, da sie eine Lebensgemeinschaft bilden. Doch bei einer Scheidung bliebe am Ende im Zweifel der Partner benachteiligt, der nur indirekt an der Vermögensvermehrung beteiligt war. Deshalb kann er bei Scheidung einer Zugewinngemeinschaft in aller Regel einen Anspruch auf Zugewinnausgleich erheben. Bei diesem werden die Zugewinne beider Ehegatten zum Zeitpunkt der Auflösung der Zugewinngemeinschaft einander gegenübergestellt. Der Partner mit dem geringeren Zuwachs an Vermögen kann dann einen Anspruch auf einen Teil des Vermögenszuwachses des anderen erheben.

Die Hälfte der Differenz zwischen den beiden Zugewinnen der Eheleute kann als Ausgleichsanspruch eingefordert werden.

Die folgende Infografik veranschaulicht den Zugewinnausgleich bei Scheidung:

Grafik zum Zugewinnausgleich: Wie läuft die Vermögensteilung ab?
Grafik zum Zugewinnausgleich: Wie läuft die Vermögensteilung ab?

Aber was gehört überhaupt alles zum Zugewinn in der Zugewinngemeinschaft?

Als Zugewinn gilt die Differenz zwischen dem Anfangs- und dem Endvermögen des einzelnen Ehegatten:

  • Anfangsvermögen = das Vermögen zum Zeitpunkt der Eheschließung
  • Endvermögen = das Vermögen zum Zeitpunkt der Aufhebung der Zugewinngemeinschaft

In das Vermögen fallen dabei jeweils u. a. sämtliche Barmittel, Bankguthaben, Aktien, Renditen, kapitalbildende Lebensversicherungen sowie Eigentum an Gegenständen oder Immobilien. Auch Schulden werden hierbei berücksichtigt, da sie das Vermögen entsprechend verringern.

Was fällt in einer Zugewinngemeinschaft eigentlich alles in den ehelichen Zugewinn?
Was fällt in einer Zugewinngemeinschaft eigentlich alles in den ehelichen Zugewinn?

Schenkungen und Erbschaften, die ein Ehegatte während der Ehe erhalten hat, fallen dabei regelmäßig in das Anfangsvermögen, da sie nicht eigentlicher Erwerb sind. Der Ehegatte hat nicht aktiv an der Vermehrung oder dem Erhalt mitgewirkt. Stattdessen zählen entsprechende Zuwächse als privilegierter Erwerb und bleiben beim Zugewinnausgleich ausgeklammert. Das gilt jedoch nicht für eine mögliche Wertsteigerung während der Ehezeit (etwa bei Immobilien).

Fällt das Ende der Zugewinngemeinschaft in die Ehe hinein, etwa durch Abänderung des Güterstandes in einem Ehevertrag, so ist der Stichtag für das Endvermögen der Tag, an dem diese Anpassung greift. Wird die Zugewinngemeinschaft hingegen durch eine Scheidung aufgelöst, so ist als Stichtag die Rechtshängigkeit der Scheidung anzusetzen. Um zu verhindern, dass einer der Ehegatten seinen Zugewinn während des Trennungsjahres mutwillig schmälert, um dem Zugewinnausgleich zu entgehen, kann die vorläufige Festlegung des Endvermögens bereits zum Zeitpunkt der Trennung erfolgen.

Tipp: Sie können in einem Ehevertrag eine modifizierte Zugewinngemeinschaft bestimmen, d. h. zum Beispiel einzelne Vermögenswerte aus einem möglichen Zugewinnausgleich herausnehmen. Schließen Sie hingegen den Zugewinnausgleich ganz aus, dann kann im Umkehrschluss indirekt der Güterstand der Gütertrennung angenommen werden.

Quellen und weiterführende Links

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